Katja Hoyer im Interview mit Clemens Traub: „West-Parteien haben den Osten nicht verstanden"

Shownotes

Die in Brandenburg geborene Historikerin Katja Hoyer spricht im Cicero Podcast Politik mi Clemens Traub über die neue Ostidentität, den Erfolg der AfD und die Unfähigkeit vieler Westdeutscher, den Osten der Republik zu verstehen.

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Katja Hoyer: Diesseits der Mauer, Eine neue Geschichte der DDR 1949-1990, Hoffmann & Campe 2023

15:35 "Und ich glaube, daher rührt jetzt dieser, ich sag mal so über die letzten Jahre, dieser Regionalstolz, den man jetzt wieder sieht, dass die Leute so Ost-Ost-Ostdeutschland rufen, an ihren Simson- und Trabantfahrzeugen schrauben und so eine Art positives Ostbewusstsein entwickeln. Das kommt, glaube ich, aus dieser Erfahrung heraus, dass man eben ständig mit diesem Jammern und mit diesem Rumgegrummle eben auch irgendwie nicht zufrieden war und sich das jetzt, glaube ich, nochmal verschoben hat in ein umgekehrtes Ostbewusstsein, was auch auf jüngere Generationen dann zutrifft, die gar nicht mehr diese Erfahrungen gemacht haben." (Katja Hoyer)

17:42 "Jedes Mal, wenn man den Fernseher angemacht hat oder in der Zeitung was über Ostdeutschland gelesen hat, war es entweder es ging um Nazis oder man hat da eine Omi in der Kittelschürze in Brandenburg am Zaun gefilmt, die irgendwas über Ausländer gemeckert hat oder wie auch immer. Also es gab immer nur diese Negativbilder oder die Zonen-Gabi mit der Banane in der Hand oder die Fokuhila-Frisuren oder die Jeansjacken oder was auch immer. Und das dann sozusagen zu nehmen und was Positives, Frisches, Junges irgendwie auszumachen, glaube ich, ist die Dynamik, die wir da gerade sehen, die sich als junge Leute dann, die eben dort geblieben sind in der Region, und das sind ja nicht mehr so viele, das kommt dann, glaube ich, auch noch mit dazu, dass es eine sehr enge, kleinteilige Bewegung dann mittlerweile ist, die sich auf dieser Dynamik eben die Scham oder die Wut in was Positives umzuverwandeln stützt." (Katja Hoyer)

24:44 "Die Tatsache, dass die Leute aus spezifische Erfahrungen und Gefühlen haben, ist natürlich etwas, was gerade in der AfD eine Riesenrolle spielt, weil man das immer wieder sowohl positiv als auch negativ sozusagen nutzen kann und anspielen kann, weil es eben die anderen Parteien auch nicht machen. Die haben zu lange meiner Meinung nach irgendwie diese Ostlandschaft nicht verstanden und auch nicht so wirklich sich darum gekümmert, was da an Parteistrukturen hätte entstehen können." (Katja Hoyer)

31:33 "Das ist auch ein ganz starkes Phänomen, wo man so auf Berlin schaut und denkt, was machen die da schon wieder, wenn man irgendwo mitten in Sachsen-Anhalt in einer kleinen Stadt ist und das mit der eigenen Lebensrealität offensichtlich null zu tun hat. Und man auch so Dinge wie, wenn dann die Grünen im Sachsen-Anhaltiner Landtag irgendwie sagen, es gibt 42 Geschlechter oder so, das kommt in so einer Kleinstadt. Sachsen-Anhalt als völlig abstrus und lebensfern an. Das sind so Dinge, wenn man das auf den gesamten gesellschaftlichen Rahmen bezieht, das ist im Osten stärker ausgeprägt als im Westen, einfach weil es kulturell auch so ein bisschen verankert ist." (Katja Hoyer)

44:33 "Wenn dann irgendwie Politiker sich damit beschäftigen, was Also wie die Sprache sein soll oder was man mit Selbstbestimmung von Geschlechtern macht oder so. Das mögen ja alles wichtige gesellschaftliche Fragen sein, aber das ist nichts, was den Menschen da im Alltag irgendwie jetzt Tag in und Tag aus beschäftigt. Der will wissen, ob er weiter seinen Job hat und ob er seine Kinder an die Schule schicken kann, ob es dort genug Lehrer gibt, wie es mit der Bildung aussieht und so tagtägliche Dinge. Und da haben die Leute oftmals das Gefühl, dass das fällt halt unter den Tisch, weil das für die Leute, die da die Entscheidungen treffen, weniger eine Rolle spielt als bestimmte identitätspolitische Probleme." (Katja Hoyer)

46:55 "Ich glaube, das hängt ein Stück weit mit der westdeutschen Kultur insgesamt zusammen. Dass man eben aus diesem 1949-Moment rausgekommen ist und gedacht hat, so, jetzt haben wir ein System gefunden, politisch, kulturell, wirtschaftlich, was jetzt uns aus dieser dunklen Zeit herausholt und was für immer funktionieren wird. Und jetzt, wo so viele Fragen kommen, die eben das ganze System grundsätzlich in Frage stellen, also zum Beispiel das Wirtschaftssystem, war es dann einfacher, glaube ich, jahrelang zu sagen, ach, gucken wir mal, was die komischen Aussies da machen, als sich zu fragen. Woran liegt das eigentlich? Weil das ja dann auch Probleme sind, die dann irgendwann auch Westdeutschland auch betreffen. Und das ist ja genau das, was wir jetzt sehen." (Katja Hoyer)

47:32 "Also wenn man mal an die 2021er Wahl zurückdenkt, die Bundestagswahl, wo die AfD ja nur knapp über 10 Prozent hatte, da hat man dann so völlig entsetzt auf den Osten geguckt, zum Beispiel auf Sachsen-Anhalt, wo gleichzeitig Wahlen waren, dass die AfD da bei 26 Prozent, glaube ich, damals in den Umfragen lag. Und wenn man das heute sich überlegt, wir sind heute bei 28 oder so Prozent bundesweit für die AfD. Das sind Zahlen, die man damals noch für seltsame Ostzahlen gehalten hat. Also ich habe schon seit Jahren gesagt, wir müssen einfach mal darüber reden, warum das so ist und nicht davon ausgehen, dass die Ossis einfach irgendwie seltsam sind, sondern dass es vielleicht grundsätzliche Probleme gibt, die dort stärker hervortreten, die dann sich politisch schneller widerspiegeln, aber im Endeffekt dieselben Dynamiken widerspiegeln, die die man im Westen auch sieht." (Katja Hoyer)

Transkript anzeigen

00:00:00: Ich glaube, daher rührt dieser Regionalstolz, den man jetzt wieder sieht.

00:00:06: Also dass die Leute so Ost-Ost-, Ostdeutschland rufen an ihren Simson und Trabantfahrzeugen schrauben und so eine Art positives Ostbewusstsein entwickeln.

00:00:18: Das kommt aus dieser Erfahrung heraus, dass man ständig mit diesem Jammern und dem Rumgegrummler auch irgendwie nicht zufrieden war.

00:00:28: Ein umgekehrtes Ostbewusstsein.

00:00:41: Hallo und herzlich willkommen zum Cicero Podcast Politik!

00:00:45: Heute spreche ich mit der deutsch-britischen Historikerin Katja Hoya, sie ist in Brandenburg geboren.

00:00:59: Mit ihr möchte ich über die Unfähigkeit vieler Westdeutscher sprechen, den Osten der Republik zu verstehen.

00:01:05: Und es wird um die Frage gehen warum die AfD gerade im Osten so stark ist?

00:01:10: Mein Name ist Clemens Traub und ich bin Redakteur bei Cicero.

00:01:14: Liebe Frau Hoja Sie sind aus Großbritannien aus London zugeschaltet.

00:01:20: vielen vielen Dank dass sie sich heute die Zeit für uns nehmen.

00:01:23: Vielen Dank für die Einlade.

00:01:24: Frau Hohja, Sie haben mit Diesseits der Mauer eine neue Geschichte der DDR in den letzten Jahren.

00:01:31: Eine Alltagsgeschichte der Bürger in die DDR geschrieben.

00:01:35: Wie kam es dazu dass sie sich in ihrem Buch vor allem ja mit dem Alltag in der DDR beschäftigen wollten?

00:01:44: Ich weiß es immer so ein bisschen zurück, weil das Buch eigentlich eine Gesamtgeschichte der DDR sein sollte und sich zwar viele der Rezensionen und auch der Besprechungen dann auf den Alltag konzentriert haben.

00:01:54: Den ich da auch ausführlich beschreibe aber es geht schon auch um die großen staatlichen Strukturen in die großen Zusammenhänge zum Beispiel die Beziehung zwischen der DDR und der Sowjetunion Die heute ja auch wieder sehr groß eine Rolle spielt im Osten.

00:02:08: also die Traditionslinien würde ich sagen die sich kulturell und politisch zwischen dem Osten Deutschlands und heute Russland auch ziehen, lassen sich ein Stück weit darauf zurückführen.

00:02:18: Aber was den Unterschied ausmacht zu verheerigen Werken über die DDR ist das ich versucht habe Alltägliche Geschichten, auch diese großen Zusammenhänge zu erklären.

00:02:28: Und da ist dann der Ansatz schon ein anderer... Also jedes Kapitel fängt mit einer einzelnen Anekdote an was einen einzelner Mensch quasi erlebt hat und das können auch manchmal bekannte Leute sein wie Erich Honecke oder Walter Ulbricht aber ganz oft auch ganz normale Menschen.

00:02:43: und darüber versuche ich die großen Strukturen zu erklären damit sich das Buch also weltweit lesen lässt von Menschen, die kein Vorwissen haben über die DDR und die das auch verstehen wollen.

00:02:55: Sie haben es gerade angesprochen.

00:02:58: Der Titel heißt ja auch eine neue Geschichte der DDR, warum wurde sich bisher fast nur von so einer politisch-staatlichen klassischen Perspektive der DDR historisch angenähert?

00:03:12: Naja ich glaube zum Teil lenkt das damit zusammen dass die DDR grundsätzlich als was politisches verstanden wird und das war sie ja auch.

00:03:18: Es ist ja kein natürlich gewachsenes Staatskonstrukt sage ich mal in dem Sinne sondern ein Die Grenzen, dass das ganze Gebilde ist ja eine direkte Konsequenz aus dem Zweiten Weltkrieg und daraus wie der zweite Weltkrig dann geendet ist.

00:03:33: Von daher ist glaube ich die Versuchung immer groß es auch nur über die Politik zu erklären.

00:03:37: Und dann hat man dazu natürlich noch die Tatsache, dass da eine Diktatur war also eigentlich so ziemlich alles was sich in diesem Staat abgespielt hat durch den Staat kontrolliert wurde oder dass der Staat zumindest versucht hat es zu kontrollieren.

00:03:49: Und das deshalb natürlich, ich sag mal so der intuitive Ansatz ist zu gucken was in dem Staat passiert.

00:03:55: Das muss ja von oben angeordnet worden sein und deshalb guckt man also immer wieder von oben drauf.

00:04:00: aber es hat sich auch sehr viel auf diesen mittleren und unteren Ebenen abgespielt was eben der Staat nicht kontrollieren konnte.

00:04:07: Also kulturell zum Beispiel was er entwickelt hat die ganzen Sozialgefüge gerade zb wenn man sowas wie Mangelwirtschaft nimmt dann wird Meistens ist da drauf geguckt, wie der Staat darauf reagiert hat und was da gefehlt hat.

00:04:20: Aber das hatte natürlich auch am anderen Ende wieder die Konsequenz gehabt dass die Leute viel enger zusammenarbeiten mussten.

00:04:26: wenn man jetzt so ein Ersatzteil brauchte sag ich mal fürs Auto oder so dann musste man halt jemanden kennen der ihm das besorgt hat.

00:04:32: Und das sind so Zusammenhänge die sich nicht nur über den Blick über die Politik quasi erklären lassen Sondern wo man sowohl von unten als auch von oben drauf schauen muss.

00:04:40: Ich hab versucht das beides in meinem Buch zusammenzufassen.

00:04:44: Sie selbst sind ja in Brandenburg geboren und aufgewachsen, haben als Kind die letzten Jahre der DDR und die Wendezeit miterlebt.

00:04:51: Also sie sind Jahrgang, Ninzehundert, Fünfundundachtzig.

00:04:54: Welche Rolle spielt die Auseinandersetzung mit der Geschichte der DDR ganz persönlich für sie?

00:05:01: Auf der einen Seite, Sie haben es gerade erwähnt, ich bin Jahrgang Fünfonundachtsig war natürlich ein sehr kleines Kind als die Berliner Morguf.

00:05:08: fallen ist.

00:05:08: Also ich war jetzt nicht schon in einem jugendlichen Alter oder ein junger Erwachsener, der das wahrscheinlich ganz anders wahrgenommen hätte und auch viel bewusster.

00:05:16: Von daher habe ich also selber nur ganz wahre Erinnerungen an die DDR-Zeit selbst und bin dann eher in dieser Nachwenderzeit bzw.

00:05:23: sind in der Wendezeit selber aufgewachsen.

00:05:26: Und es war auch nicht so dass wir jetzt da jeden Tag, ich sag mal im Ambus zur Stadt drüber geredet hätten weil die Erwachsenden waren ja viel mit sich selbst beschäftigt.

00:05:34: Man muss ja irgendwie sein Leben neu aufbauen, die ganzen Transformationserfahrungen irgendwie bewältigen und von daher war glaube ich der Effekt dass wir sehr wenig eigentlich darüber geredet haben.

00:05:45: in der Schule haben wir das auch nicht behandelt.

00:05:47: also wir haben so oft uns mit der NS-Zeit beschäftigt im Unterricht dreimal glaube ich wenn ich mich richtig erinnere und da einfach keine Zeit mehr war, sowohl über Ost als auch über Westdeutschland zu reden.

00:06:00: Also ich hab mich dann in der Schule nicht damit beschäftigt.

00:06:03: Und als ich irgendwann erwachsen war und Historikerin war, habe ich gedacht jetzt ist vielleicht der Moment, mich diesen Thema noch mal zu widmen.

00:06:10: also um das vielleicht nochmal klarzustellen Das Buch ist keine persönliche Geschichte DDR die kann es ja schon nicht sein weil wie gesagt nur vier Jahre alt war als die Berliner Mauer viel sondern es ist ein Versuch als Historikerinnen mich diesem Thema zu nähern.

00:06:22: aber Bestanden natürlich schon auch eine persönliche Neugier bei dem Thema, weil man darüber nachdenkt was wäre gewesen wenn ich zehn oder zwanzig Jahre früher geboren worden wäre.

00:06:32: Wie hätte ich mein Leben völlig anders gelebt?

00:06:34: Ich meine Sie haben es am Anfang gesagt, ich lebe heute in Großbritannien und arbeite und schreibe auf Englisch als mein ganzes Leben wär ja so wie's heute lebendig möglich gewesen wenn nicht in der DDR aufgewachsen wäre.

00:06:45: von daher ist da bestimmt ein großer Anteil an persönlicher Neugie mit dabei gewesen.

00:06:51: Ich finde diesen Alltagsblick ganz spannend, diese Alltagsperspektive die es in ihrem Buch gibt.

00:06:57: Gerade weil sehr viele Westdeutsche auch gar nicht im biografisch gar keine eigene Familiengeschichte haben und überhaupt nicht wissen wie der Alltag in der DDR aussah und ist da teilweise nur ein sehr geringes Verständnis auch gibt.

00:07:14: Können Sie uns mal mitnehmen?

00:07:14: Wie sah denn bei Ihnen zum Beispiel ganz persönlich der Alltag in der DDR aus und wie würden sie sagen, wie prägt sieht das persönlich bis heute.

00:07:22: Also ich habe noch bis weit in die neunziger Jahre hinein in demselben Plattenbau... Block gewohnt, in dem ich also auch zu DDR-Zeiten als Kind gelebt habe.

00:07:32: Von daher hab' ich da noch sehr klare Erinnerungen dran.

00:07:35: und das war noch einer der sehr frühen Blöcke aus, ich glaube die späten, neunzehnten, fünftiger oder früheren sechziger Jahre.

00:07:40: Also hatte nur drei Gestöcke, man stellt sich ja dann immer diese Riesenblöcke so in Marzahn oder Halle Neustadt vor.

00:07:46: aber es gab auch viele, die nur so dreigestöckig waren und das bei unseres auch.

00:07:50: Hatte noch keine Zentralheizung, wir hatten Kohleöfen sozusagen in der Wohnung drin und auch fürs Badewasser zum Beispiel muss man dann auch den Badeofen anschmeißen.

00:08:00: Und das waren so Erinnerungen, wo ich als Kind mit meinem kleinen Eimer zusammen in den Keller runtergegangen bin um Kohle zu holen oder man kam aus dem Urlaub zurück und die ganze Wohnung war kalt.

00:08:10: Das dauerte natürlich eine Weile bis mal diese ganzen Kohleöfen wieder angeschmissen hatte und die Wohnung wieder warm hatte.

00:08:16: Aber auf der anderen Seite ist es bei mir auch so wie es bei vielen anderen Ausdeutschen glaube ich auch ist.

00:08:20: Angela Merkel beschreibt es ja auch zum Beispiel in ihrer Autobiografie dass man doch auch ne sehr ... Ich sag mal kleine in einer sehr kleinen, sicheren aber auch sehr abgeschlossenen Welt irgendwo gelebt hat.

00:08:35: Man ist als Kind, die Eltern haben sich keinen Kopf darüber gemacht.

00:08:37: Wenn man draußen alleine gespielt hat stundenlang und einfach nicht zu sehen war bis es dann irgendwann eine Amputzeit war auch wenn man erst irgendwie so drei oder vier oder sowas.

00:08:46: Man ist allein mit dem Fahrrad zur Grundschule und zum Kindergarten gefahren solche Dinge.

00:08:50: Und ich glaube das lag auch zum Teil daran, dass darf man halt auch immer nicht vergessen, dass die Frauen ja alle gearbeitet haben.

00:08:55: Das waren völlig normal in der DDR.

00:08:58: Wir hatten über neunzig Prozent der Frauen in Arbeit in Vollzeit Arbeit und das hat natürlich auch zu einer ganz anderen Art und Weise gefühlt, wie man aufgewachsen ist.

00:09:06: Und ich glaube darüber erklären sich so viele Unterschiede die bis heute noch bestehen also dass zum Beispiel die Generationen etwas kürzer sind im Osten als die Leute immer noch früher Kinder bekommen.

00:09:16: Dass man sehr ländlich und klein städtisch oftmals aufgewachsene ist weil es ja auch wenig Städte nur gab mal abgesehen von so Dresden Leipzig Jena usw.

00:09:24: Es ist doch eine sehr lindliche Region auch ein Kleinstädtische also dass viele mehr erländlichen Milieus aufgewachsen sind.

00:09:33: Man ist einfach anders aufgewachsen und deshalb sieht man auch in so vielen Umfragen heute immer noch, egal was man die Leute fragt dass man dann auch andere Geflogenheiten hat zum Beispiel ob man jemandem die Hand gibt wenn man die das erste mal trifft.

00:09:43: da sind ausdeutsche eher dazu geneigt quasi persönlich die hand auszustrecken und denjenigen so zu begrüßen auch wenn man in eine runde reinkommt zb um mal ein ganz banales beispiel zu nennen und das sieht man an ganz vielen statistiken dass sich diese unterschiede bis heute halten.

00:09:58: Wenn man mit Ostdeutschland spricht, hat man ja ganz häufig das Gefühl dass sie enttäuscht darüber sind.

00:10:07: Das westdeutsche vor allem wenn Sie über die DDR sprechen, über den Unterdrückungsapparat sprechen, Über die Stasi, über Erich Honecker aber dass sie kaum ein Gespür dafür haben, dass es eben in Ostdeutstadt natürlich auch ganz ganz viel ganz normale Alltag der Bürger gab und dass die Menschen vor Ort häufig mit dem Staat ja relativ wenig zu tun hatten, sondern sie wollten sich einfach ein ganz normales Leben aufbauen.

00:10:33: Und kennen Sie das selbst auch aus Ihrer Familie aber auch in Ihrem bekannten Kreis?

00:10:39: Dass es da diesen Unmut gibt dass viele Westdeutsche gibt die DDR immer nur in Verbindung bringen beispielsweise mit der Stasi oder... Ich glaube, es gab lange so eine Frustration, dass man das Zusammenspiel zwischen diesen politischen Strukturen und dem Alltag nicht so richtig verstanden hat.

00:10:56: Also immer wieder ein prominentes Beispiel mit Angela Merkel zu finden.

00:11:00: die hatte mal ich glaube in den neunziger Jahren erwähnt, dass sie eine Arbeit schreiben musste zum Studium mit dazu.

00:11:06: Die war politischer Natur irgendwie sowas wie was ist ich warum der sozialistische Lebensweg der richtige ist?

00:11:12: oder also So eine Arbeit musste man da immer mit dazuschreiben.

00:11:15: Und sie hatte das mal in einem Interview erwähnt und dann sind Journalisten, ich glaube vom Spiegel sofort losgezogen und haben versucht diese Arbeit zu finden und sie hat dann selber irgendwie dazu gesagt wer weiß was die da finden wollten und was die zitieren wollen.

00:11:28: weil das natürlich so eine Sache ist die hat man halt machen müssen.

00:11:31: man ist damit aufgewachsen dass dieses Phasendreschen in der Öffentlichkeit und in der Bildung vor allem normal war.

00:11:37: Das war Teil des Bildungswegs, aber deshalb ist ja nicht der Rest dessen was man da gelernt hat gerade in der Naturwissenschaft wie sie das gemacht haben auch in den Geisteswissenschaften ja nicht völlig irrelevant oder wegzuschmeißen sozusagen.

00:11:50: Und das hat glaube ich so viele Leute frustriert in der Wendezeit danach dass man eben mit diesen politischen Strukturen und weil die DDR insgesamt als Land gescheitert ist quasi, und dann auch verschwunden ist.

00:12:00: Dass man damit dann alles andere auch mit entwertet hat.

00:12:03: Und ich glaube das war so ein bisschen die Frustration.

00:12:06: Ich habe das selber auch noch erlebt in den neunziger Jahren.

00:12:09: Zum Beispiel ist ein Freund von mir in Schulkumpel nach Hamburg gezogen und wir haben den dort besucht irgendwie.

00:12:15: Da muss ich so, keine Ahnung, elf zwölf oder so gewesen sein?

00:12:17: Und da kamen dann so Fragen wie naja habt ihr mittlerweile fließendes Wasser?

00:12:21: gibt es bei euch was zu essen?

00:12:22: sehr schön dass ihr jetzt nicht mehr hungern müsst und die Leute haben das ja gar nicht glaube ich jetzt böswillig oder so gemeint.

00:12:27: Ich glaube man hat halt wirklich so auf der anderen Seite der Mauer wenn man's so ausdrücken will eben auch Geschichten gehört, wie das Leben da war.

00:12:34: Und dann hat sich damit aufgewachsen, dass es eben so ist und ich glaube diese Missverständnisse haben lange dazu geführt, dass eben Ostdeutsche ganz oft einfach gar nichts mehr gesagt haben.

00:12:43: Angela Merkel hat das auch mal öffentlich gesagt, damit fange ich auch das Buch an mit der Anekdote, dass sie einfach kurz bevor sie Kanzlerin geworden ist, dann gesagt hat... Naja, es ist offensichtlich nicht verstehbar wie wir damals gelebt haben und dann hat sie halt in ihrer Kanzlerzeit gar nicht mehr darüber geredet.

00:12:58: Und das höre ich auch jetzt immer wieder von Leuten die so ein bisschen älter sind als ich gerade diese ... Die damals junge Erwachsene waren, die sagen dann ganz oft, die haben sich entdealekt abgewöhnt zum Beispiel, als sie dann irgendwo im Westen studieren waren oder haben dann... Ich hab mit Sabine Rennefans, die heute auch für den Spiegel schreibt man da drüber gesprochen öffentlich auch und sie sagte dann Sie hat dann immer den Leuten erzählt, sie käme aus Bremen Was sie gesagt hat, da fragt dann keiner nach.

00:13:24: Also wenn man jetzt München oder so gesagt hätte wir an die Leute sofort so hätten sie ja Ideen gehabt und hätten irgendwie nachgefragt.

00:13:29: weil bei Bremen hat keiner gefragt damit sie eben einfach nicht diese Klischees ständig irgendwie entweder bedienen oder enthebeln muss.

00:13:37: Und sie wollte halt da einfach nur als Studentin wahrgenommen werden, als Mensch und eben nicht als Ostdeutsche.

00:13:43: Das sind so Geschichten die hört man wirklich häufig.

00:13:45: Ich glaube das ist heute nicht mehr so krass.

00:13:46: also ich würde nicht sagen dass jetzt irgendwie jeder Ostdeutche da irgendwie besonders wütend oder frustriert über diese Dinge ist.

00:13:53: aber das sind eben Erfahrungen die man so jahrelang gemacht hat und die dann einfach den Leuten ein bisschen das Gefühl gegeben haben die eigene Identität Lebenserfahrung ist nichts wert und am besten sollte man sie verstecken oder hinter sich lassen.

00:14:07: Das ist ja ein ganz zentraler Punkt, da Sie sprechen es gerade anders geht sehr viel um Identität auch um Stolz und es gibt sehr viele Leute grade in den Neunzigern die damals das Gefühl hatten dass ihre Lebensleistung überhaupt nicht anerkannt wird also dass das was sie der DDR waren also sowohl beruflich aber auch sozial dass das auf einmal gar keine Rolle mehr spielt.

00:14:31: Ja, und das waren ja auch Erfahrungen die ja auch real gemacht worden sind.

00:14:34: Das haben sich die Leute ja nicht nur... eingebildet, ich hatte zum Beispiel mit einem gesprochen auch für mein Buch.

00:14:38: Der war so Mechaniker für landwirtschaftliche Fahrzeuge und Maschinen.

00:14:45: Und seine letzte Aufgabe war dann diese ganzen Dinger nochmal in Schuss zu setzen damit die dann verscherbelt werden konnten an den westlichen Investor der dafür einen symbolischen Wert bezahlt hat aber im Endeffekt nicht das was sozusagen selbst das Rohm Material wert gewesen wäre.

00:14:59: und der ist dann in den neunziger Jahren von einer Arbeitsmaßnahme in die nächste geschickt worden was wir sich putzen und hat verschiedene andere Arbeiten machen müssen, die aber nicht mehr seinen Beruf entsprochen haben den er vorher halt hatte.

00:15:11: Und das sind so Erfahrungen, die haben dann halt das ein bisschen ausgehebelt.

00:15:15: Ich glaube auch heute wenn man diese Phrase mit den Lebensleistungen sagt rollen dann auch schon wieder viele die Augen.

00:15:19: also das ist jetzt schon wieder ich sag mal andersrum zu einem bisschen zu einem Klischee geworden dass man eben auch immer nur als Opfer gesehen werden will und ich glaube daher rührt dieser ich sage mal über die letzten Jahre dieser regional stolz, den man jetzt wieder sieht.

00:15:34: Also dass die Leute so Ost-Ostdeutschland rufen an ihren Simson und Trabantfahrzeugen schrauben und so eine Art positives Ostbewusstsein entwickeln das kommt glaube ich aus dieser Erfahrung heraus, dass man eben ständig mit diesem Jammern und mit diesem Rumgegrummler eben auch irgendwie nicht zufrieden war und sich das jetzt glaube ich noch mal verschoben hat in ein umgekehrtes Ostbewusstein was auch auf jüngere Generation dann zutrifft die gar nicht mehr diese Erfahrungen gemacht haben.

00:16:05: Also ich spreche das gerade an, es gibt ja Fußballvereine zum Beispiel, ich glaube Dynamo Tresen ist das unter anderem, die Ost-Ostdeutschland rufen also das ist ein Fangesang und dann häufig auch wenn sie gegen westdeutsche Gegner spielen.

00:16:21: Das ist ja ganz interessant weil das vor allem auch junge Menschen sind, vielleicht zwanzigjährige die in den zweitausender Jahren geboren sind.

00:16:32: Woher kommt dann dieser Stolz auf Ostdeutschland?

00:16:36: Es gibt ja teilweise sogar in manchen Fanblöcken auch DDR-Fahren.

00:16:40: Dieser Identitätsbezug zur DDR, obwohl diese Leute eigentlich die DDR überhaupt nicht miterlebt haben.

00:16:46: Ja also ich glaube es ist etwas was man ja auch oftmals bei Minderheiten beobachtet wenn man das Gefühl hat man wird sich diskriminiert oder dass irgendwas negativ behaftet ist was die eigene Identität angeht, dass man das dann ins Gegenteil umkehrt.

00:16:59: Und dann sagt man ist jetzt besonders stolz darauf also mal ein klassisches Beispiel zu nehmen.

00:17:04: Wir haben ja lange Jahrzehnte lang diese Situation gehabt als Homosexualität illegal war in Deutschland und eben auch diskriminiert wurde.

00:17:11: Dann hat man irgendwann selbst dieses Wort Queer, was ja früher zumindest im englischsprachigen Welt eben als Beleidigung genommen worden ist galt.

00:17:20: Das hat man ja dann umgekehrt und sich selbst sozusagen als Identität positiv Belegt und behaftet und bezeichnet sich dann jetzt also selbst dementsprechend.

00:17:29: Das ist jetzt kein besonderes Reiner oder perfekter Vergleich, aber so eine ähnliche Dynamik findet sich.

00:17:35: da glaube ich auch dass man jetzt eben diese Ost-Identität die lange so als... Also jedes Mal wenn man den Fernseher angemacht hat oder in der Zeitung irgendwas über Austauschland gelesen hat war es ja entweder es ging um Nazis oder man hatte irgendeine Omi einer Kittelschütze in Brandenburg am Zaun gefilmt, die irgendwas über Ausländer gemäckert hat oder wie auch immer.

00:17:51: Es gab immer nur diese Negativbilder oder die Zonen Gabi mit der Banane in der Hand oder die Fokuhiler Frisuren oder die Jeansjacken oder was auch immer.

00:18:01: Und das dann sozusagen zu nehmen und was positives frisches Junges irgendwie drauszumachen, glaube ich ist die Dynamik, die wir da gerade sehen.

00:18:09: Die sich als junge Leute dann, die eben dort geblieben sind in der Region, das sind ja nicht mehr so viele.

00:18:14: Das kommt auch noch mit dazu, dass es eine sehr enge kleinteilige Bewegung mittlerweile ist, die sich auf dieser Dynamik eben die Charme oder die Wut in etwas Positives umzuverwandeln stützt.

00:18:28: Und was würden Sie sagen, was ist Teil dieser neuen stolzen ostdeutschen Identität?

00:18:33: Also wir... Was sind zum Beispiel typische Dinge die man mit Ostdeutsch verbindet oder die jetzt Ostdeutche mit OstDeutsch verbinden.

00:18:40: Oder die vielleicht auch noch einen gewissen Bezug zur DDR-Geschichte haben?

00:18:43: Ja, sie haben mir schon Fußball erwähnt.

00:18:45: Das ist eine ganz offensichtliche Dynamik dort wo man eben auch sowieso ja schon dieses Zusammengewöhrigkeitsgefühl hat.

00:18:51: also ich habe zum Beispiel als ich Geschichte studiert hab, habe in Jena studiert und die haben ja den FC Karlsars-Jena der war damals in die zweite Bundesliga aufgestiegen und ich war da auch mal mit beim Fußball und die Atmosphäre das ist schon was was eine irgendwie auch mitreißt obwohl ich selber gar nicht aus Jena oder aus Thüringen.

00:19:09: aber wenn man dann dort eben im Stadion steht und also zwischen der Fanwand sozusagen dort steht, mit den anderen zusammen Dinge singt oder ruft oder so.

00:19:17: Dann hat man eben auch auf einmal dieses Zusammengehörigkeitsgefühl.

00:19:20: Man ist nicht alleine mit seinen Gefühlen, mit seiner Identität sondern ist Teil einer größeren Bewegung.

00:19:26: Und die speist sich natürlich auch zurück in die DDR-Zeit wo da wurde dann auch mal so gesagt ja bestes Fußballteam der DDR und so.

00:19:34: Also das hat sich schon bei den jüngeren Leuten noch so in den Köpfen, sag ich mal erhalten.

00:19:39: Und dann so andere Dinge habe ich ja auch schon erwähnt.

00:19:42: zum Beispiel die Fahrzeuge sind mittlerweile Kult geworden also so Trabant aber auch die Simson.

00:19:49: sich hatte zb auch eine und das hat er nichts mit Ostergie zu tun sondern einfach und da ist wieder der Bezug zur DDR da einfach die tatsache dass mein Opa irgendwann Ende der neunziger beschlossen hat er kann nicht mehr fahren oder will nicht mehr fahren weil seine Reaktionen nicht mehr so gut waren quasi vermacht.

00:20:07: Ich habe dann einen Führerschein gemacht und bin mit dem Ding durch die Gegend gefahren, hab da dran rumgebastelt, hab es in Stand gehalten sozusagen neu lackiert und das wird dann auch zum Teil seine eigene Identität, weil sie eben auch ein regionales Produkt ist was aus dieser Geschichte kommt, was man unter Umständen von den eigenen Eltern oder Großeltern bekommen hat Und was es eben so in Westdeutschland nicht gibt.

00:20:28: und damit ist das also auch so ein gewisser Regionalstolz glaube ich der sich da ein Stück weit entwickelt hat.

00:20:35: Und das ist glaube ich so, dass kann man auf ganz viele Dinge auch anwenden.

00:20:38: Oder wir waren dann zum Beispiel, wir hatten ganz viele bayerische Studenten auf einmal in der Universität weil die westdeutschen Universitäten Studiengebühren eingeführt hat nie meisten und im Osten nicht zu der Zeit.

00:20:48: Und dann hieß es immer von den bayerischen Studenten, was trinkt ihr denn da?

00:20:52: Wenn man so irgendwie sein Feffi-Likör oder so hat und das war uns vorher gar nicht bewusst dass das überhaupt etwas Ostdeutsches war wenn man natürlich in dieser Welt irgendwie aufwächst und das einfach der Likör ist er eben schon immer irgendwo bei Gartenfesten auf dem Tisch stand.

00:21:05: Dann entwickelt man natürlich daraus eine gewisse Trotzreaktion, dass man dann irgendwann sagt Ja, das ist eben so hier.

00:21:11: Und ihr seid hier bei uns.

00:21:12: Also probiert es doch wenigstens mal und so.

00:21:14: Ich glaube auf einer größeren gesamtgesellschaftlichen Ebene entwickeln sich dann solche Dinge auch.

00:21:19: Warum sollen wir uns das dafür schämen?

00:21:20: Wird dann irgendwann aus der ursprünglichen Scham.

00:21:23: Dann wird das ein bisschen zum Teil der eigenen Identität.

00:21:27: Dinge die es im Osten gibt aber eben im Westen nicht.

00:21:31: Die Simpsons habe ich mir sagen lassen von bekannten in Brandenburg.

00:21:35: Ist ja zurzeit sogar ziemlich hip und angesagt auch ziemlich teuer, wenn man die kaufen möchte.

00:21:41: Ja das hat sich dann auch so entwickelt.

00:21:42: also zum Beispiel als ich die hatte wie gesagt war so Ende der neunziger Jahre da war das noch nicht ganz so obwohl es da auch schon angefangen hat.

00:21:50: also wir haben dann zb auch mit Freunden eine Schwalbe wieder komplett von aus Ja, ich sag mal fast verschrotteten Gefährt wieder neu aufgebaut und das hat dann natürlich auch so ein Kultfaktor irgendwann.

00:22:00: Wir haben dann sowas was echt die da ins Schwarz angemalt und zu Streifen Dekastreifen dran geklebt Und die also auch noch ein bisschen frisiert und schneller gemacht und so.

00:22:09: und es sind dann auch so Dinge wenn man das zusammen macht Dann entwickelt sich da eine Szene irgendwann draus und Ich glaube da sind wir jetzt irgendwie ja nochmal zwanzig Jahre später angekommen an diesem Punkt wo sich dann so ganze halt auch Klubs Sovereine dann auch darum entwickeln und diese ganze Kultur mit dazu.

00:22:25: Und noch dazukommt einfach die Tatsache, dass das auch einfach das schnellste Gefährt war was man mit dem Führerschein fahren.

00:22:31: durfte, weil das so eine Ausnahmeregelung ist.

00:22:33: Wenn man auf der Straße mit dem Ding unterwegs ist, ist man auch einfach schneller als normalen Rollern und das hat natürlich auch noch mal wenn man so sechzehn ist.

00:22:40: Und ich war damals die einzige, die irgendwie mobil war bei uns auf dem Land und man konnte dann eben sagen gut dann gehe jetzt den Kastenbier holen.

00:22:47: Man hat sich dann einen Kumpel hinten drauf gesetzt, auf die Simson ist zum nächsten Laden irgendwo gefahren, der in Dorf weiter war und war damit natürlich auch bei seinen Freunden ein bisschen cool.

00:22:56: Und ich glaube, dieser Faktor hat sich dann einfach nochmal weiterentwickelt.

00:22:59: Aber für mich war das jetzt nie so ein DDR-Stolz der daraus entstanden ist sondern einfach was ich quasi hatte und was andere nicht hatten.

00:23:06: Ich glaube wie gesagt wenn man es auf eine gesamtgesellschaftliche Ebene überträgt kommt man dabei so einer ehemaligen Dynamik raus.

00:23:14: Es war ja so circa vor einem Monat da hatte der Kaparatist Uwe Steimle auf eine AfD-Veranstaltung die DDR-Hymne gesungen.

00:23:22: Wie haben Sie das damals wahrgenommen?

00:23:24: Würden Sie sagen, es ist so der Versuch diesen neuen positiven Oststolz politisch zu verwerten?

00:23:33: Ja möglicherweise!

00:23:34: Also ich habe mir dann auch noch mal das Video dazu angeguckt weil ich am Anfang erst einmal nur die Berichterstattung gesehen hatte und es ist ja auch interessant wie viel... also es ist nicht so dass da alle sofort mit singen und sofort begeistert sind.

00:23:45: Das springt ja sofort die Moderatorin auf die Bühne und ruft Nein, nein, nein!

00:23:49: Weil er sollte eigentlich die deutsche Nationalhymne singen Und viele im Publikum wissen auch erstmal nicht so richtig was sie jetzt machen sollen Und dann wird halt irgendwie mitgesogen.

00:24:01: Und das spiegel glaube ich auch ein bisschen diese Ambivalenz wieder, die wir insgesamt beobachten.

00:24:05: Also die Leute haben jetzt nicht Ein universell positives Bild der DDR am Kopf, zumal die Nationalhymne selbst ja eine komplizierte Geschichte hat.

00:24:13: Die wurde auch in der DDR dann nicht mehr gesungen sondern nur noch ein Instrumental gespielt weil da ne Zeile drin vorkommt über deutsche Einheit oder Deutschland eigentlich Vaterland und man hat sie dann, weil es halt nicht mehr ins Programm gepasst hat, dann auch einfach nicht mehrgesungen.

00:24:27: von daher ist schon alleine die Hypnose selber nicht hundertprozentig Ostergie belastet oder behaftet.

00:24:34: Und diese ambivalenten Gefühle sieht man dort auch im Raum, finde ich.

00:24:38: Wenn man sich sozusagen das Video selbst anguckt... Aber es ist natürlich was, ob das jetzt positiv oder negativ behaftet ist Die Tatsache dass die Leute aus spezifische Erfahrungen und Gefühler haben ist natürlich etwas, was gerade in der AfD eine Riesenrolle spielt weil man das immer wieder sowohl positiv als auch negativ sozusagen nutzen kann und anspielen kann Weil's eben die anderen Parteien nicht machen.

00:25:00: Die haben zu lange meiner Meinung nach irgendwie diese Ostlandschaft nicht verstanden und auch nicht so wirklich sich darum gekümmert, was da an Parteistrukturen hätte entstehen können?

00:25:11: Da sind wir ja schon bei der Kretchenfrage angelangt.

00:25:14: Und zwar warum die AfD gerade in Ostdeutschland so stark ist.

00:25:19: Würden Sie sagen es liegt genau daran dass viele Parteien – die CDU, die SPD den Osten ganz lange einfach überhaupt nicht verstanden hat, die Identität der Menschen nicht verstaunten.

00:25:32: Also grundsätzlich ist es für mich eigentlich erstmal einfach eine Frage von soziokonomischen Faktoren, weil wir das ja in ganz vielen anderen Ländern auch beobachten.

00:25:42: Dann müsste man ja in Österreich auch fragen warum gerade die kleinen städtischen ländlichen Bereiche sind?

00:25:47: oder in England der Norden von England, wo die alten so arbeitergegend und deindustrialisierten Gegenden sind.

00:25:53: Oder in den USA, die Rust Belt starten.

00:25:56: Also man sieht ja eine ähnliche Dynamik in vielen anderen Ländern auch.

00:25:59: Und das setzt man dann nicht ins Sack.

00:26:01: So was ist jetzt besonders... weiß ich nicht, undemokratisch oder demokratiefeindlich am Norden Englans.

00:26:06: Oder an den ländlichen Gegenden in Österreich und ich glaube da vergisst man zu viel dass eben die DDR in der Mehrheitsgesellschaft und auch kulturell eben einfach auf Arbeiter getrimmt waren und auf Arbeiten Kultur getrimmt war.

00:26:19: also das ging dann soweit dass arbeiter unter Umständen oder oftmals mehr verdient haben zum Beispiel als, was ist ich?

00:26:26: Professorin oder als Lehrer oder was auch immer.

00:26:28: Also wenn man jetzt Mechaniker war oder in der Fabrique arbeitet hat oder so hatte man einen sehr hohen Status innerhalb der DDR anders als das normalerweise in sozusagen westlichen kapitalistischen Systemen der Fall ist.

00:26:41: und dadurch muss man also im Osten nicht unbedingt Teil einer klassischen Arbeiterschicht sein um eben in einer mehrheitlich arbeitermäßig geprägten Kultur aufgewachsen zu sein.

00:26:52: Und das trifft heute immer noch auch so Gefühle, wo dann zum Beispiel solche Sachen wie Gendersternchen und Kulturkampf so eine Dinge viel, viel heftiger im Osten reinhauen als dass insgesamt im eher mittelständischen Westen der Fall ist.

00:27:06: Das sieht man ja z.B.

00:27:08: auch daran, dass die Idee insgesamt bei den Arbeitern sehr viel Zulauf hat und von denen gibt es nun einfach mal mehr im Oßen.

00:27:14: und wie gesagt selbst die Leute, die nicht arbeiter sind sind oftmals kulturell von dieser Kultur geprägt, die sich eben gegen einen links-liberalen Zeitgeist stellten.

00:27:23: Das hat viel damit zu tun würde ich sagen.

00:27:25: Dazu kommt noch das so Dinge wie Vermögensverteilung eine Riesenrolle spielen – die Tatsache dass die meisten Leute im Osten ihre eigenen Wohnungen und Häuser nicht besitzen sondern zur Miete wohnen.

00:27:35: Damit ist man natürlich viel viel heftiger von wirtschaftlichen Faktoren abhängig.

00:27:40: Es gibt wenig Leute, die irgendwie Rückhalt irgendwo haben, also die sind ja meistens direkt von ihrem Einkommen oder ihrer Rente abhängigt und deshalb auch von politischen Veränderungen sehr stark betroffen.

00:27:52: Und ich glaube diese Dinge spielen alle eine Rolle.

00:27:54: aber wenn man dazu noch nimmt dass sich die Leute im Osten eben doch diese besondere Identität quasi das sie die behalten haben bzw entwickelt haben auch zusätzlich nach Das ist was, was nur die AfD direkt angesprochen hat jahrelang.

00:28:09: Also wenn man dann im Thüringen rumfährt und da hängen dann so Prosta schon vor Jahren rum auf den Stand... also Sova-Plakate auf dem Stand vollende die Wände oder Wende zwei Punkt Null oder der Ostenmachts.

00:28:21: Also diese speziellen... ich sag mal dieses spezielle Ansprechen des Ostens als Osten das haben andere Parteien lange nicht gemacht als Regionale Identität, die man damit ein Stück weit anspricht.

00:28:34: Und deshalb würde ich schon sagen es spielt eine Rolle.

00:28:36: aber das ist nicht der Hauptfaktor.

00:28:38: Ich denke schon dass diese wirtschaftlichen und kulturellen Arbeiterstrukturen vor allem dass sie eine große Rolle spielen und dass man da in Deutschland viel zu wenig drüber redet.

00:28:47: also die Idee über die Working Classes zu reden ist ja viel viel normaler in Frankreich England Großbritannien als das in Deutschland der Fall ist wo das lange Zeit einfach ignoriert worden ist.

00:28:57: wer da eigentlich?

00:28:58: die AfD wählt.

00:29:00: Was würden Sie sagen?

00:29:01: Sie haben ja gerade davon gesprochen, dass Arbeiter einen sehr hohen Stellenwert hatten in der DDR und das Man häufig vergisst eben, dass es sehr viele Arbeiter auch in der DDR gab als Arbeiter und Bauernstart.

00:29:16: Die klassische Industriearbeiten gemacht haben die da auch ein Stolz drauf hatten.

00:29:20: Und jetzt haben sie gerade vorhin gesagt das die Leute häufig kein Verständnis haben für zum Beispiel so links-liberale Milieus für U-Bahnemilieus.

00:29:28: Sie haben das Gender Thema angesprochen.

00:29:31: Das ist ja dann häufig auch so ein Bus wird.

00:29:33: Könntest du das nochmal?

00:29:35: Interessanter Punkt, können Sie das nochmal genauer erklären?

00:29:38: Also da auch diese kulturellen Konflikte.

00:29:41: Also wenn ich jetzt mal ein ganz krasses Beispiel nehmen kann, dann die Politiker in der DDR kam ja selber aus Arbeitermilieus und dafür sind sie ja oft auch international belächelt worden.

00:29:51: Also wenn dann so ein Hornäcker irgendwie in seiner seltsamen Stimme da irgendwas rumstammelt und uns so völlig wie so einen kleiner schmaler Mann neben dem großen bombastischen Kohl steht oder so das hat sich ja immer schon so angefühlt wie DDR versus BRD quasi so auch bildlich versinnbildlicht.

00:30:09: Aber das hat natürlich auch dazu geführt, dass schon ganz oben bürgerliche Dinge einfach runtergespielt worden sind bzw.

00:30:15: auch so ein bisschen belächelt worden sind.

00:30:18: Also es gab zum Beispiel die paar Leute, die aus bürgernischen Verhältnissen kamen, die es im Regime gab.

00:30:23: Die wurden dann meistens noch ein bisschen gehänselt dafür, dass sie alle mit sie angesprochen haben oder eben einfach so bürgarische Manieren an sich hatten Während die eigentliche Elite Honecker, Dachdecker zum Beispiel oder auch Walter Ulbricht so als Tischler.

00:30:39: Die kamen dann aus Bereichen wo man im regionalen Dialekt gesprochen hat.

00:30:43: wie gesagt darüber hat man sich ja auch mal lustig gemacht dass eben selbst die Politikerin so wie Ulbrich in seinem Sechselnden Dialett gesprochen hat und das war aber normal und ist deshalb auch gefördert worden.

00:30:53: also dieses ich sag mal so ein bisschen irgendwie robuste lokale Arbeiter-Habitus Und das sind so Dinge wo das in der BAD genau anders rum war.

00:31:03: Da musste man ja am besten, wenn man aus so einer halt gebildeten Schicht kommt, am besten in der Lage sein ins Hochdeutsch wechseln zu können, wenn es eben notwendig ist, wenn wir in der Öffentlichkeit sprechen außer man kommt aus Bayern dann ist das offensichtlich okay.

00:31:15: Aber insgesamt ist das einfach ein kultureller Habitus, der ganz anders gewertet worden ist und das hat auch was mit wie Sie es gerade angesprochen haben, auch mit urbanen Traditionen zu tun.

00:31:25: also dass man heute diese Idee der urbanen Eliten, dass man das... Viel, viel kritischer sieht im Kleinstädtisch und ländlich geprägten Osten zum Beispiel.

00:31:34: Es ist auch ein ganz starkes Phänomen wo man so auf Berlin schaut und denkt was machen die da schon wieder wenn man irgendwo mitten in Sachsen-Anhalt in irgendeiner Kleinstadt ist?

00:31:42: Und das mit der eigenen Lebensrealität offensichtlich null zu tun hat um dann auch so Dinge wie sich wenn dann die Grünen im Sachsen Anhalt einer Landtag irgendwie sagen es gibt zweiundvierzig Geschlechter oder sowas Das kommt in so eine Kleinstadt Sachsen-Anhalt als völlig abstrus und lebensfern an.

00:32:01: Das sind so Dinge, wenn man es dann auf den gesamten gesellschaftlichen Rahmen bezieht.

00:32:05: das ist im Osten stärker ausgeprägt als im Westen einfach weil es wie gesagt kulturell auch ein bisschen verankert.

00:32:11: Es ist zumindest eine von meinen Theorien.

00:32:13: Und das hört man auch für man im Oßen rumreißt.

00:32:16: Wenn man die Leute fragt was ist denn heute noch anders?

00:32:18: Dann sagen sie ganz oft Naja, wir sind hier so ein bisschen hemsärmlicher oder wir sind irgendwie als Gemeinschaft uns näher weil wir immer noch so denken und untereinander einfach so sind wie wir halt sind.

00:32:29: Oder man fragt dann in der... Ich hab versucht zum Beispiel mal eine Weile rauszufinden wie fern die Feuerwehren und solche Institutionen im Osten irgendwie politisch quasi unterwandert sind hat man ja eine weile mal so gesagt dass die AfD dann da versucht hat da reinzugehen.

00:32:43: Und die Leute weisen es sofort von sich und sagen, mir ist vollkommen egal wer hier in welcher Partei ist.

00:32:48: Die sind in der Feuerwehr.

00:32:49: Die gehören zu uns.

00:32:50: Die gehört zur Dorfstruktur.

00:32:52: Die organisieren unsere Dorffeste und bieten Freizeitmöglichkeiten für Kinder an und solche Dinge.

00:33:00: Das ist einfach eine ganz andere... Ja, so Struktur die in solchen ländlichen Gegenden herrschen.

00:33:06: Da kommt dann noch die DDR-Identität noch mit oben drauf würde ich sagen.

00:33:09: Deshalb kommen auch Leute wie Dietmar Woidke immer noch gut an obwohl er zum Beispiel eine SPD ist also der Ministerpräsident von Brandenburg weil er eben selber aus der DDR kommt Landwirtschaft gelernt hat und dann eben mit den Bauern dort sitzen kann und mit denen irgendwo auf den Strohballen sitzt und redet quasi weniger halt bürgerlich abgehoben, städtisch rüberkommt als viele andere Politiker.

00:33:33: Das ist ganz spannend was Sie am Ende gesagt haben weil zum Beispiel jemand wie nehmen wir mal Anna-Lena Baerbock die ehemalige Bundesaußenministerin Die war ja ein regerechtes Feindbild auch.

00:33:45: also das war sie in rechten Kreisen nämlich an in ganz Deutschland auch im Westen.

00:33:51: aber ich glaube Um da nochmal die Brücke zu schlagen, zu dem was Sie gerade gesagt haben dass das im Osten vielleicht noch mal stärker ausgeprägt war.

00:33:59: Warum ist so ein Typus Politikerin wie Annalena Baerbock?

00:34:04: Warum löst sie bei vielen Ostdeutschen so viel Abneigung aus?

00:34:09: Ja ich glaube die ist halt einfach soweit weg gewesen von der Lebensrealität der meisten Leute im Oston wie man nur sein kann also... als Westdeutsche, aber auch als jemand der durch die ganzen klassischen Institutionen durchgegangen ist.

00:34:22: Also eben so eine typische politiker Karriere, moderne Politikakarriere hinter sich hat über Thinktanks, über die ganze Ausbildung, die sie genossen hat.

00:34:31: Auch die Tatsache dass dann die Leute gesagt haben jetzt ist sie selbst noch in die UN gekommen und hat da noch einer erfahrenen Beamtin quasi den Job weggenommen weil sie halt die Connections hat.

00:34:41: also es sind alles so Dinge die fühlen sich wie gesagt auch so eine Kleinstadt irgendwo aus Sachsen oder so völlig weit weg und bizarr an.

00:34:48: und auch wenn man dann von feministische Außenpolitik redet, also dieses Übertheoritisieren auch der Politik und der Art und Weise wie man quasi Gesellschaft und Politik wahrnimmt.

00:34:59: Ich glaube ich war es was im Osten noch viel weiter weg erscheint als das vielleicht woanders der Fall ist.

00:35:05: Das heißt nicht grundsätzlich dass die Leute keine westdeutschen Politiker mögen.

00:35:08: Also Gerhard Schröder ist das krasse Gegenbeispiel Der ja aus so einer ähnlichen Verhältnis kommt wie viele DDR-Bürger, sage ich mal.

00:35:16: Also aus einer relativ einfachen Familie.

00:35:19: Alleinerziehende Mutter wirklich in Armut aufgewachsen und hat sich dann eben sozusagen hochgearbeitet durch die Strukturen.

00:35:25: Dass das manchmal oftmals unter sehr dubiosen auch Netzwerken abgelaufen ist oder so mag sein aber der hat ja trotzdem so eine Art und Weise irgendwo am Biertisch zu sitzen und irgendwie mit den Leuten zu reden und als dann die Flut um zwei tausendzwei kam und er damit seinen Gummistiefeln da irgendwo im Osten unterwegs war, den Leuten auf die Schulter geklopft hat und gesagt hat das wird schon wir kriegen es hin.

00:35:46: Das sind so Dinge, die dann auch wieder ankommen.

00:35:48: also man muss nicht unbedingt ostdeutsch sein um für Ostdeutsche eine Figur zu sein mit der man sich identifizieren kann.

00:35:54: dass ist glaube ich eher.

00:35:55: deshalb sage ich diese sozialkulturellen Faktoren spielen glaube ich ne viel größere Rolle bei denen bei der Art und Weise wie die Menschen das so wahrnehmen.

00:36:03: Es gibt ja auch dieses interessante Phänomen das zum Beispiel bei Krupala wurde sich in westdeutschen Medien häufiger lustig darüber gemacht, dass er Malermeister ist und das er sich gerne als so als Akademiker gibt.

00:36:18: Und dann versucht auch Fremdwörter zu verwenden, aber dass man einfach merkt von seinem ganzen Habitus, dass nicht er selbst das ist und dass es gespielt ist.

00:36:26: Das hat ja auch immer so eine... Da schwingt ja auch dann immer so ne Abgehobenheit mit so einer Arroganz.

00:36:30: Ach hier guck mal der der ostdeutsche Malermeist aus Sachsen.

00:36:34: Glauben Sie das?

00:36:35: Genau das auch der Grund ist, warum jemand wie Krupalle im Osten so beliebt ist oder warum die AfD auch so stark ist.

00:36:42: Also Siegmund ist ja zum Beispiel jetzt ein Sachsen-Anhalt.

00:36:46: Da gab es ja jetzt auch Berichte darüber über seinen Studienabschluss, dass er nur einen Bachelor an einer FH in Marketing gemacht hat und das wurde dann von westdeutschen Journalisten so ein bisschen belächelt.

00:36:58: also da quasi bei ostdeutschern dann sofort auch Sympathie gibt für eben Typen wie zum Beispiel Krupalle der Malermeister ist, weil sie das Gefühl haben dass es einer von uns.

00:37:09: Ja ich glaube das spielt eine Rolle und gerade eben auch diese diese Auge ganz dann sozusagen gegen Leute die irgendwie was ich sag mal Bodenständiges irgendwie gemacht haben in ihrem Leben.

00:37:18: und das ist genau das Gegenteil im Osten.

00:37:20: also ich weiß noch als ich gesagt habe so ich will hier irgendwie Geschichte studieren haben auch ganz viele Leute zu mir gesagt macht da was richtiges so nach dem Motto was Handfestes was ehrlich ist so ne Wörter werden halt verwendet weil das einfach früher Also gerade in der DDR so war, es war ja auch so dass selbst die Leute die studieren gegangen sind.

00:37:37: Die mussten ja trotzdem immer noch in den Fabriken Arbeitseinsätze machen und weil man versucht hat die sozialen Schichten so ein Stück weit zu mischen oder die mussten dann im Sommer bei der Ernte mithelfen oder so.

00:37:47: also das waren ja so Dinge wo man das Gefühl hat man ist irgendwie etwas praktischer man steht mehr am Leben und da ist eben genau deshalb was sie es von auch angesprochen haben so jemand wie Anna-Lena Baerbock wird dann genau als das Gegenteil empfunden der eigenen Lebenswirklichkeit.

00:38:01: und dadurch AfD hat ja auch eine Weile gedauert, glaube ich.

00:38:05: Ich meine wenn man überlegt die sind als Professorin-Partei Westdeutsch Professorin Partei und es hat ja noch eine weile gedauert bis man realisiert hat dass diese Dinge also auch im Osten wirklich ne große Rolle spielen und was man damit auch sozusagen machen und erreichen kann.

00:38:20: und das wäre eigentlich eine Rolle gewesen die in so Bereichen wie Brandenburg oder Mecklenburg Vorpommern lange die SPD eingenommen hat weil sie da einfach Personal gefunden haben was das repräsentiert hat.

00:38:34: Also in Brandenburg, wie gesagt da bin ich aufgewachsen wir hatten immer SPD-Ministerpräsidenten seit und die waren alle so eine, ich sag mal so ne Volksnahen hemmensämlichen Typen mit dem die man auch kannte, die man gesehen hat wo sie unterwegs war.

00:38:47: also man ist eigentlich... Man hat die so als jemand von sich selbst so wahrgenommen aber es hat die SPD ja insgesamt nicht zur Kenntnis genommen, man hat ja deshalb nicht jetzt Mecklenburg-Vorpommern oder Brandenburg als ein SPD Kernland wahrgenommen.

00:39:00: Und genauso war das mit der CDU in eher konservativ und eher noch christlich geprägten Gegenden wie Sachsen oder Thüringen lange der Fall weil die eben konservativer sind.

00:39:09: und da hätte man auch mit so einem Sozialkonservatismus wenn man da die richtigen Leute weiter reingesteckt hätte und auf die Strukturen aufgebaut hätte dort auch weiter punkten können.

00:39:18: Kretschmer macht das ja bis heute immer noch, dass er diese Brücke schlagen kann in Sachsen aber das spielt eine Riesenrolle auf jeden Fall, dass man eben den Wert auf beruflich ist und praktisch ist und eher arbeiterorientierte Berufe legt.

00:39:34: Sie würden sagen wir haben gesprochen über die Arbeiterkultur der DDR und dass sie bis heute ein ganz großer Faktor ist.

00:39:45: Würden Sie sagen sagen Ostdeutsche, politisch sehr stark das Bedürfnis danach haben auf der einen Seite zur sozialen Absicherung also eine soziale Politik aber auf der anderen Seite so eine gesellschaftliche kulturell eher konservative Ausrichtung.

00:40:02: Also dass das eine sage ich mal sehr spezifische ostdeutscher politische Identität ist wie sie es gerade genannt haben dieses Brückenschlagen aus diesen beiden Welten naja da hat ja das bsw versucht die Lücke dort zu finden und ich glaube gibt es auch oder gab's auch.

00:40:18: Und die hat auch sowohl die Ost-SBD als auch die OstCDU lange gefüllt.

00:40:24: in beiderlei Hinsicht, also die Ost SPD ist ja auch kulturell etwas anders würde ich sagen eben sozialkonservativer und aber gleichzeitig wirtschaftlich sozusagen links, aber sozialkonzervativ und das sieht man.

00:40:37: deshalb hat das auch so lange funktioniert.

00:40:38: dass sieht man eben besonders in Brandenburg aber auch in Mecklenburg-Vorpommern sehr klar und genau so war das bei der bei der CDU ja auch sehr lange.

00:40:45: Das waren ja dann Leute, die das so ein bisschen verkörpert haben selber in ihrer eigenen Person nach... Ob es jetzt typisch Ostdeutsch ist weiß ich nicht weil das insgesamt man sieht das ja auch zum Beispiel in so Gegenden wie im Ruhrgebiet wo man so Leute hat wie Sören Link zb von der SPD, der ja auch einen ganz anderen Ton anschlägt als als die Bundes-SPD, weil er eben auch in der Arbeit der Region unterwegs ist und dort mit Leuten anders spricht.

00:41:10: Also das hängt nur zum Teil mit der DDR Kultur zusammen.

00:41:13: aber wo es dann doch zusammenhängt... also ich habe das auch gemerkt, dass ich Interviews gefühlt dafür mein Buch immer wieder, dass die Leute so nach dem dritten Schnaps dann irgendwann irgendwie ihre Orden und sowas ausm Schrank holen, die sie mal irgendwann, neunzehn, sechsen, siebzig für besonders harte Arbeit im Kollektiv, was wir sich in der Chemiefabrik oder sowas bekommen haben.

00:41:32: Weil sie eben irgendwie ihr Arbeitspensohn überstiegen haben oder so.

00:41:37: Das sind so Dinge die hat man sich jahrelang da nicht getraut mal irgendwie auch nur zu erwähnen.

00:41:40: Man war damals stolz darauf dass man das geschafft hat aus der eigenen Arbeitsleistung heraus und dass es eben auch gewertschätzt worden ist.

00:41:46: Und heute sind diese Leute eben oft also jetzt ja ein Rente aber die waren dann eben jahrelang was für sich in Zeitarbeit oder für Mindestlohne irgendwo unterwegs und auch das Eine wirtschaftliche Entwicklung, die da eine Rolle spielt.

00:41:59: Das ist ein ganz großer Faktor, dass man das Gefühl hat, die eigene Arbeit wird nicht mehr wertgeschätzt sowohl von der Politik kulturell als auch im wirtschaftlichen Bereich, als es eben einfach sich rechnet und man davon nicht mehr leben

00:42:11: kann.".

00:42:12: Und würden Sie sagen, dass daher auch diese... Dieses Repräsentationsproblem kommt von vielen Parteien aus der Mitte im Osten, also dass die CDU ziemlich schwach ist.

00:42:22: Dass die SPD schwach isst und die Grünen eigentlich fast überhaupt keine Chance haben.

00:42:26: Die FDP auch, dass man gesellschaftlich beispielsweise zu liberal geworden ist, dass sie sich dazu vielleicht von konservativen Werten entfernt haben, die in so einem Arbeitermilieu oder in der Arbeiterkultur vielleicht in manchen Regionen des Ostens sehr gut ankommen.

00:42:44: Ja, und ich denke auch wieder, dass es im Osten natürlich krasser ist weil's ein breiteres Phänomen ist.

00:42:47: Aber man sieht ja auch überall woanders auch das die Leute einfach nicht so richtig wissen wen sie da jetzt wählen sollen also wer da ihre Meinung vertreten.

00:42:56: Das ist ja oftmals eine Mehrheitsmeinung in ganz vielen Regionen Und die finden trotzdem keine Partei die das sozusagen repräsentiert In dem Sinne und das hat zum Teil mit der Professionalisierung von Politik zu tun.

00:43:06: Also man braucht sich ja die SPD nur als Paradebeispiel angucken Die eben früher man so leute wie was Friedrich Ebert In der Weimarer Republikzeiten hatte der Sattler war und dann die SPD geführt hat.

00:43:19: Solche Leute gibt es ja nicht mehr so wirklich innerhalb der Bundes-SBD, weil das halt oftmals Politik oder professionelle Politiker sind, die diesen klassischen Pfad in die Politik gegangen sind von Anfang an oder Leute, die eben Quereinsteiger dann sind aus anderen Berufen, die jetzt aber auch nicht Arbeiterberufe sind sondern oftmals auch aus akademischen Kreisen kommen Und die können einfach, wie gesagt das ist ja oftmals nicht mal böse Absicht.

00:43:42: Aber sie können einfach diese Lebensrealität ihrer ehemaligen Kernklientilen nicht mehr abbilden und auch nicht verstehen in dem Sinne als dass sie aus einer völlig anderen Welt einfach kommen.

00:43:52: Wie will man da verstehen?

00:43:53: Was es sich von Tag zu Tag irgendwie... Nichts zu wissen ob man den Job noch behält, man guckt auf die Energiepreise und solche Dinge und denkt sich, meine Fabrik wird nächstes Jahr wieder so in so viele Stellen abbauen.

00:44:04: Das sind ja nicht nur die Fabriekarbeiter sondern auch Leute, die da in den Zulieferindustrie zum Beispiel arbeiten oder die kleine Unternehmen haben, die nicht mehr klar kommen weil die Energiepreise zu hoch sind und der Absatzmarkt für ihre Produkte einfach nicht mehr da ist.

00:44:16: Es geht ja bis in die ganze Kette runter und diese Faktoren glaube ich spielen eine Riesenrolle.

00:44:21: Und es würde also wenn dann irgendwie Politiker sich damit beschäftigen was weiß ich ob jetzt im Also wie die Sprache sein soll oder was man mit Selbstbestimmung von Geschlechtern macht, das mögen ja alles wichtige gesellschaftliche Fragen sein.

00:44:34: Aber das ist nichts, was dem Menschen da im Alltag irgendwie jetzt tagtag in den Tag ausbeschäftigt der will wissen ob er weiter seinen Job hat und ob er seine Kinder an die Schule schicken kann, ob es dort genug Lehrer gibt Wie's mit der Bildung aussieht und so tagtägliche Dinge.

00:44:47: Und da haben die Leute oftmals das Gefühl dass das fällt halt unter ein Tisch weil das für die Leute die da die Entscheidung und Treffen weniger eine Rolle spielt als bestimmte identitätspolitische Probleme?

00:44:57: Wir haben ja vorhin auch über Nordrhein-Westfalen, über das Ruhrgebiet gesprochen.

00:45:01: Und bei der Debatte über das Thema Unterschiede zwischen West und Ost ist es ganz spannend dass ich manchmal das Gefühl habe, dass eigentlich gar nicht so sehr noch diesen Konflikt in Deutschland gibt zwischen West-Ost sondern dass der Konflik eigentlich viel stärker ist Kursstädtischen, akademischen Milieu auf der einen Seite und dem anderen.

00:45:25: Wir haben ja auch darüber gesprochen, sag ich mal vielleicht eher den ländlichen Arbeitermilieu.

00:45:29: Und das zum Beispiel jemanden, der aus Brandenburg kommt oder aus Mac-Pom wahrscheinlich lebensweltlich relativ viel gemeinhätte mit jemandem aus dem Ruhrgebiet, der vielleicht aus Duisburg kommt und dort in der Industrie gearbeitet hat.

00:45:44: Und dass die vielleicht relativ ähnliche Sorgen haben, relativ ähliche Perspektiven auf die Politik.

00:45:48: Also würden Sie sagen, dass in dieser Debatte über Ostdeutschland das zu kurz kommt?

00:45:52: Dass wir eigentlich mittlerweile schon ganz andere gesellschaftlichen Konflikte haben.

00:45:56: Das sag ich zumindest schon seit Jahren, weil es auch wie gesagt so... Ich wohne ja im Ausland und man sieht ja auch wenn man von außen drauf guckt, dass das was da in Ostdeutland sich oder was lange als ein ostdeutsches Problem angesehen und bezeichnet worden ist bzw eine ostdeutzche Entwicklung dass das sich in ganz vielen anderen Ländern ja sehr ähnlich abspielt.

00:46:15: Und da fragt er dann auch keiner, zum Beispiel als die im Jahr zwanzierzwanziger Wahlen in Thüringen war, als die AfD das erste Mal stärkste Kraft geworden ist hatte fast gleichzeitig.

00:46:24: die wahlen in Österreich hatten ein sehr, sehr ähnliches Ergebnis.

00:46:27: insgesamt wenn man jetzt die FPÖ dort also equivalent oder Schwesterpartei der AfD sehen will und da sagt auch keiner haben die Österreicher immer noch nicht die Demokratie verstanden oder wie auch immer, sondern man guckt da eben speziell hin und sagt warum wählen sie eigentlich so?

00:46:41: Und erhält sich dann mal über die eigentlichen Probleme und Gründe.

00:46:45: Das ist glaube ich zu lange vernachlässigt worden einfach weil es auch... Ich glaub das hängt ein Stück weit mit der westdeutschen Kultur insgesamt zusammen dass man eben aus diesen neunzehnundvierzig Moment rausgekommen ist und gedacht hat So jetzt haben wir ein System gefunden politisch kulturell wirtschaftlich, was jetzt uns aus dieser dunklen Zeit herausholt und was für immer funktionieren wird.

00:47:03: Und jetzt wo so viele Fragen kommen die eben das ganze System grundsätzlich in Frage stellen also zum Beispiel des Wirtschaftssystem war es dann einfacher glaube ich jahrelang zu sagen ah gucken wir mal was die komischen Aussie's da machen als sich zu fragen woran liegt das eigentlich?

00:47:16: weil dass ja dann auch Probleme sind die dann irgendwann auch westdeutschland betreffen.

00:47:20: und das ist genau das was wir jetzt sehen.

00:47:22: also wenn man mal an die die Bundestagswahl, wo die AfD ja nur knapp über zehn Prozent hatte.

00:47:30: Da hat man dann so völlig entsetzt auf den Osten geguckt zum Beispiel auf Sachsen-Anhalt, wo gleichzeitig Wahlen waren dass die AfD da bei sechsundzwanzig Prozent glaube ich damals in den Umfragen lag.

00:47:39: und wenn man das heute sich überlegt wir sind heute bei achtundzwantig oder so Prozent bundesweit für die AfD.

00:47:45: das sind Zahlen die man damals noch für seltsame Auszahlen gehalten hat.

00:47:48: also ich habe schon seit Jahren gesagt wir müssen einfach mal darüber reden warum das so ist und nicht davon ausgehen, dass die Ostis einfach irgendwie seltsam sind.

00:47:56: Sondern dass es vielleicht grundsätzliche Probleme gibt, die dort stärker hervortreten, die sich politisch schneller widerspiegeln, aber im Endeffekt dieselben Dynamiken widerspiegeln, die man im Westen auch sieht.

00:48:08: Wo dann allerdings der Unterschied noch ist, ist, dass man im Westen eher bereit ist trotz Unzufriedenheit weiter noch die alten Parteien zu wählen, weil man mit denen sehr positive Erfahrungen gemacht hat.

00:48:18: Man sich also überlegt... Die CDU bzw.

00:48:20: die CSU als die Partei des Wirtschaftswunders, das Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg.

00:48:26: dann hat man die SPD als eine modernisierende Kraft empfunden in den Siebziger-Achtzigerjahren, die also zum Beispiel die Universitäten... modernisiert hat, insgesamt die Kultur auf Frauenrechte und so weiter.

00:48:37: Und dieses Zusammenspiel ist ja ein sehr positives, dieses Pendeln hin- und her zwischen konservativen wirtschaftsorientierter Politik hin zu progressiver Sozialpolitik

00:48:47: usw.,

00:48:48: und dann wieder zurück.

00:48:48: So wurde das ja empfunden jahrelang aber dass schon alleine dieses Pendel heute nicht mehr funktioniert weil man hier nicht mehr zwischen den beiden Blöcken wählen kann sondern jetzt beide bekommt in der großen Koalition.

00:48:58: Das sind alles so Dinge, die im Osten glaube ich viel schneller dazu führen, dass die Wähler sagen okay dann will ich halt was anderes, was Neues als im Westen wo man eben aus einer SPD oder eine CDU-Familie unter Umständen kommt und noch diese ja positiv besetzten Kronotation oder Assoziation mit dem Parteien noch hat.

00:49:17: Lassen Sie uns nochmal zurückkommen auf ihr Buch.

00:49:20: Es gibt ja in Ihrem Buch, wir haben vorhin darüber gesprochen.

00:49:23: Haben Sie auch stark diese Perspektive der Alltagsgeschichte des alltäglichen Lebens in der DDR?

00:49:30: Und da gibt es Kritiker die Ihnen vorwerfen dass sie durch diese Perspective die DDR verharmlosen würden und relativieren würden.

00:49:39: Was sagen Sie denn seit zu?

00:49:40: Also was ist Ihre Meinung wenn Sie sich das anhören?

00:49:44: Ja, ich finde das ein bisschen seltsam.

00:49:46: Ich habe das Buch zuerst auf Englisch geschrieben und es kam insgesamt in, glaube, neunzehn Sprachen jetzt raus.

00:49:51: Und diese Debatte führe ich also eigentlich nur in Deutschland mehr oder weniger oftmals mit Leuten.

00:49:56: Man darf es ja auch nicht vergessen dass die Leute, die DDR-Historiker sind in Deutschland eben sehr oft mal auch Zeitzeugen sind und sehr spezifische eigene Erfahrungen mitgebracht haben aus der DDR gegenüber dann auch sehr kritisch stehen.

00:50:07: Das tue ich ja auch.

00:50:08: Ich meine ich behaupte ja in dem Buch jetzt auch nicht, dass da keine Diktatur ist... sind furchtbare Geschichten auch über die Stasi und über die Mauertoten usw.

00:50:17: alle in dem Buch enthalten, ich meine es fängt in einem Gefängnis in der Sowjetunion an das Buch auf der allerersten Seite in den furchtspare Verhältnisse herrschen und indem die ganze Paraneuer des Systems sozusagen zum Tragen kommt.

00:50:29: aber was mir eben in der Forschung bisher und gerade in der öffentlichen Art und Weise wie die DDR dargestellt wird immer gefehlt hat ist eben auch dieser Alltag Dass es keine großen Revolutions- oder Widerstandsbewegungen gibt zwischen den Volksaufstand am siebzehnten Juni und dann von der Neunzehnundundundachtzig.

00:50:49: Und das muss man ja erst mal erklären, warum da relativ Ruhe dazwischen ist wie die Leute dort eigentlich gelebt haben.

00:50:55: Das kann man nur darüber erklären meiner Meinung nach dass es halbwegs stabil war.

00:50:58: in der Zwischenzeit also.

00:50:59: natürlich ist im Vergleich zu Westdeutschland das ärmere Deutschland gewesen.

00:51:03: aber es haben die Leute mehr nicht... irgendwie einen Tag um ihre Existenz gekämpft oder gehungert, sondern haben sich da irgendwie Leben aufgebaut.

00:51:10: Wir sind in Urlaub gefahren und haben geheiratet usw.

00:51:13: Und dass es da furchtbare Unterdrückungen auch gab ist klar und ist auch im Buch mit drin.

00:51:17: Also ich glaube die Kritik kam dann eben daher, dass ich das nicht kommentiere, sondern diese Mehrheitsgesellschaft, die sich da arrangiert hat in den Mittelpunkt stelle und eben nicht die was weiß ich zehn Prozent oder so der Leute, die da wirklich extrem gelitten haben, oder so, die da in der Mitte irgendwo zwischen diesen zwei Polen von total überzeugt sein und Gegner sein, wo sich ein Leben dort aufgebaut haben.

00:51:41: Und das ist relativ unkommentiert.

00:51:44: Von mir steht es dort in dem Buch einfach drin ohne dass ich jetzt ständig sage was ist echt die Frau's Lehrerin geworden?

00:51:50: Deshalb ist sie Systemstütze oder so und hätte das nicht machen sollen sondern ich beschreibe dann einfach warum ist die Lehrerin gewonnen?

00:51:56: wie hat das so funktioniert?

00:51:57: Was hat ihr denn gemacht in ihrem Leben?

00:51:59: Ohne dass ich da moralisiere und das mache ich in meinen anderen Büchern genauso Und interessanterweise ist, als ich in meinem letzten Buch was jetzt neu rausgekommen ist über Weimar.

00:52:08: Das also auch mit der Weimar Republikgesellschaft und dann der NS-Gesellschaft genauso mache das es viel weniger kritisch gesehen worden dass sich da beschreibe wie ein Baldur von Schierach zum Hitler Jugendführer wird ohne dass ich das kommentiere sondern einfach nur erkläre wie er dazu gekommen ist.

00:52:25: Da ist seltsamerweise keine Kritik, das ist sehr positiv wahrgenommen worden.

00:52:29: Aber wenn ich das Gleiche für die DDR mache... ...ist es sozusagen weil's eben weniger lang her ist, weil die Leute noch direkte Erfahrungen daraus haben.

00:52:36: so kann ich mir das nur erklären.

00:52:37: Ist da der Reizfaktor glaube ich deutlich höher als dass selbst bei der NS-Zeit der Fall ist?

00:52:44: Erleben Sie da auch unterschiedliche Reaktionen auf Ihr Buch, wenn sie in Deutschland unterwegs sind?

00:52:48: Also wenn sie zum Beispiel auf Lesung sind aber auch einfach ganz privat unterwegs sind also im Vergleich zwischen im Westen und dem Osten.

00:52:56: Ich fand es spannend, dass es im Westen auch so viel Interesse an dem Buch gab.

00:52:59: Weil wie gesagt ich habe sehr zuerst auf Englisch geschrieben und ist auch in Großbritannien ein Besteller gewesen und auch weltweit sehr gut angenommen worden.

00:53:06: also das ist insgesamt offensichtlich von Interesse weil dann hinterher ja auch immer so gesagt worden ist von meinen Kritikern ich hätte das jetzt irgendwie speziell für die Ostdeutschen geschrieben oder so.

00:53:14: ich wusste ja nicht mehr ob das Buch überhaupt auf Deutsch übersetzt wird.

00:53:17: also es ist nicht an die ostdeutsche Gerichte sagen wir mal so auch wenn ich's versucht habe aus der Perspektive der Leute zu erklären, die dort gelebt haben.

00:53:25: Und deshalb war es also auch spannend für mich dann zum Beispiel in Hamburg und Frankfurt am Main und anderswo auch im Lehrer-Seminar in Bayern habe ich darüber geredet, also für die Lehrer, die dann in Bayern über die DDR unterrichten.

00:53:37: Da besteht also großes Interesse ist das auch in Deutschland ein Spiegelbesterler gewesen und weit verbreitet gelesen worden.

00:53:43: Also ich glaube wie gesagt dass sich diese Kritik doch auf einen sehr kleinen und auch sehr speziellen Kreis insgesamt beschränkt hat, dass der natürlich aber medial sehr viel unterwegs ist.

00:53:52: Also ich hatte da Rezensionen von einigen Leuten die sich in mehreren Medien fast mit dem gleichen Text sozusagen ausgelassen haben über das Buch und das amplifiziert es dann natürlich jenseits der eigentlichen Größe der Kritiker würde ich sagen.

00:54:07: Lassen Sie uns zum Schluss nochmal in die Zukunft schauen.

00:54:10: wie zuversichtlich sind sie eigentlich?

00:54:12: Wir haben jetzt gerade darüber geredet der Ost-West-Konflikt gar nicht mehr so ein großer Konflikt, das wir vielleicht noch in den Zweitausenden waren.

00:54:20: Was würden Sie sagen?

00:54:21: Wird es irgendwann mal wirklich eine Zeit geben, indem diese Grenze in den Köpfen überhaupt keine Rolle mehr spielen wird?

00:54:29: Sowohl politisch sowohl in den Medien aber jetzt auch einfach so ganz im persönlichen Leben Ich glaube nicht innerhalb der nächsten paar Generationen, weil man das Gegenteil bisher beobachtet hat.

00:54:41: Es wurde ja sehr viel auf die letzte Bundestagswahl geschaut, also die im Jahr oder dem Jahr des Jahres, wo ja diese Karte auch überall in den sozialen Medien und in den Medien rumgehen, wo man so quasi die Erststimme sich angeguckt hat und quasi die Ostseite der Karte komplett blau eingefärbt ist und die Westseite komplett schwarz.

00:54:58: Und die ist ja sehr umgegangen.

00:54:59: aber wenn man sich die eine Wahl davor anguckt, dann sieht man dass der Norden Deutschlands mehr oder weniger rot ist, SPD-rot und der Süden schwarz.

00:55:08: Also da gibt es ja auch noch diese Nord-Südgefälle sag ich mal.

00:55:11: also aber die Tatsache dass das eine Wahl später ist in der sich dann die Ostwestgrenze wieder so stark abzeichnet zeigt er schon dass es bestimmte kulturelle Dinge gibt die sich einfach perpetuieren und vielleicht verstärken.

00:55:22: über die Zeit hinweg Und immer im Buch plädiere ich dafür als Historikerin habe ich auch immer diese langen Zeitsicht sage ich mal.

00:55:28: da plädiere ich dafür eher den Moment ein neues Achtzehn-Einund-Siebzig zu verstehen, also die erste Vereinigung von Deutschland wo Otto von Bismarck damals auch nicht davon ausgegangen ist.

00:55:40: Dass jetzt sofort die Bayern aufhören, Bayern zu sein und was weiß ich?

00:55:44: Die Baden auferhen, badener zu sein sondern dass man einen bewusstenen federales System erschaffen hat weil man diese Unterschiede einfach existieren lassen kann.

00:55:54: Man kann ja gleichzeitig Bayer und Deutscher sein.

00:55:57: Ich glaube also so appelliere ich dafür, dass man das einfach mit Ostdeutschland auch so angehen machen muss.

00:56:01: Man muss einfach verstehen, dass hier vierzig Jahre einer sehr sehr prägenden Zeit unterschiedlich abgelaufen sind in Ost und West-Deutschlands.

00:56:08: Und dass das jetzt nicht von heute auf morgen... sich verschwindet oder ausläuft, sondern sich unter Umständen sogar verstärkt wenn bestimmte Dinge eben einfach so sind.

00:56:16: Gerade was zum Beispiel die Beziehung zwischen den Geschlechtern angeht und das war einfach komplett anders im Osten als es im Westen der Fall waren.

00:56:23: Das wird sich deshalb von den Müttern auf die Kinder trotzdem übertragen wie Art und Weise wie man da gelebt hat.

00:56:28: also für mich wäre das einfach... das haben ja andere auch schon so argumentiert der Soziologisch-Steffen Maus zb.

00:56:34: Der Osten ist dann eben nicht anders, sondern schon anders als der Westen.

00:56:38: Aber der Weste ist auch anders als den Osten und das ist einfach so.

00:56:40: Und es ist ja erst mal nichts Schlimmes.

00:56:42: man kann ja einfach akzeptieren dass es eben Teil dieser dieser sehr diversen Landkarte von Deutschland ist, dass es regionale Eigenheiten gibt die teilweise historisch begründet sind und teilweise kulturell und das wird so bleiben ist aber nicht unbedingt was schlechtes würde ich sagen.

00:56:57: Liebe Frau Hoja vielen Dank für das wirklich sehr spannende Gespräch!

00:56:59: Danke auch Alle weiteren Folgen des Cicero.

00:57:03: Podcast Politik können Sie auf allen bekannten Podcast-Plattformen und auf cicero.de finden.

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00:57:13: Ich wünsche Ihnen alles Gute und genießen Sie die Sommertage!

00:57:16: Bleiben Sie uns treu!

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