Guido Steinberg im Interview – „Deutsche Iran-Debatte: Viel Hoffnung, wenig Realismus“

Shownotes

Mit der Tötung von Irans Oberstem Führer Ali Khamenei steht das Regime vor einer historischen Zäsur. Drohen Machtkämpfe, übernimmt die Revolutionsgarde – oder rutscht das Land in einen Bürgerkrieg? Was sind die Ziele von Donald Trump und Benjamin Netanjahu? Und drohen die gleichen westlichen Fehler wie im Irak oder in Afghanistan? Nahostexperte Guido Steinberg ordnet ein – und kritisiert die oft wenig fundierte Iran-Debatte in Deutschland.

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Inhalt Podcast:

27:50 "Iran ist heute noch nicht Nordkorea, aber es ist durchaus vorstellbar, dass sich ein Revolutionsgarderegime unter äußerem Druck dafür entscheiden könnte, sich einzugraben, ein bisschen Öl zu verkaufen und damit die eigene Machtbasis so zu stärken, dass es irgendwie möglich ist, mit Knüppeln und Gewehren die Bevölkerung doch noch unter Kontrolle zu halten." (Guido Steinberg)

31:48 "Wenn ich mir allerdings die letzten Monate anschaue und die Iran-Debatte insgesamt in der Politik und in der Öffentlichkeit, dann sind aus meiner Sicht zwei Dinge auffällig. Erstens, es gibt ganz wenig Iran-Expertise hier im Land. Also wirklich ausgebildete Fachleute. Sei es Journalisten oder auch Wissenschaftler, die das Land gut kennen, die die Sprache kennen, die vielleicht die Nachbarländer kennen und die vielleicht auch einen Hintergrund in der praktischen Politik haben und auf diese Art und Weise ihr Urteil geschärft haben. Das sind wirklich nur ganz wenige Personen, auf die zumindest einige dieser Charakteristika zutreffen. Und das ist ein Phänomen, was wir während des arabischen Frühlings auch für die arabische Welt hatten. Und zweitens haben deutsche Medien so eine gewisse Präferenz für Aktivisten und Aktivistinnen. Die werden dann gerne als Journalisten verkauft oder auch als Wissenschaftler. Aber das sind Leute mit einer ganz klaren Agenda, die auch von Wunschvorstellungen getrieben werden." (Guido Steinberg)

43:50 "Insgesamt befürchte ich, dass die iranische Bedrohung damit zwar kurzfristig beseitigt sein wird, aber längerfristig wieder entstehen könnte. Ich befürchte, dass die israelische Regierung sich ermuntert fühlen könnte, ihren Kurs vor allem im Westjordanland weiterzuführen, der ja auf eine schleichende Annexion hinausläuft. Ich befürchte, das die Konflikte rund um die israelisch-palästinensische Auseinandersetzung und die regionale Ablehnung Israels ebenfalls Bestand haben wird. Also insgesamt ein eher düsteres Bild. Ich kann mir persönlich nicht vorstellen, dass nach einem Luftkrieg von einigen Wochen, von dem ich bisher noch ausgehe, die Demokratie in Iran ausbricht. Und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass der Nahe Osten zu einer stabilen Friedensordnung kommen kann in so kurzer Zeit." (Guido Steinberg)

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